Kurze Geschichte des Funkerberges

Schon 1911 führte ein Luftschiffer- und Telegraphenbatallion in Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg (damals Windmühlenberg) funktechnische Versuche durch. Der Versuchssender war ein "ortsveränderlicher" Lichtbogensender.
Siehe Löschfunkensender bei Wikipedia
Mit Ballonen und Drachen wurden die Antennen in die Höhe gehoben.
Die Versuche waren so erfolgreich, dass man 1913 begann auf dem heutigen Funkerberg eine feste Militärfunkstation zu errichten.
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges gerieten die Arbeiten ins Stocken, sodass die Inbetriebnahme der ersten Funkstation erst am 15.06.1915 mit dem Rufnamen "LP" nach dem Namen des ersten Stationsführers, Major Egbert von Lepel Wikipedia - ", erfolgen konnte. Die errichteten Lichtbogensender dienten hauptsächlich der Übertragung der Heeresberichte. Es wurden aber auch Telegramme mit ausländischen Funkstationen ausgetauscht. Das Morsealphabet Siehe Morsecode Wikipedia - diente zur Übertragung der Texte.

Im April 1917 wurden durch den Physiker Alexander Meißner Wikipedia - und den Ingenieur Hans Bredow Wikipedia - Versuche zur Übertragung von Sprache und Musik durchgeführt. Da die vorgesetzten Militärs den Nutzen von Sprachübertragungen nicht erkannten, mußten die Versuche unterbleiben.

Nachdem die Deutsche Reichspost nach Beendigung des ersten Weltkrieges die ehemalige Militärfunkstation übernommen hatte, wurde 1919 unter Leitung von Staatssekretär Hans Bredow mit der Umrüstung der Sendeanlagen für den Wirtschaftsfunk begonnen. Es wurden Röhrensender aufgebaut, Empfangsanlagen in Berlin-Zehlendorf errichtet und die Antennenanlage um zwei weitere 100-Meter-Masten erweitert.

Im November 1919 unterbreitete Staatssekretär Hans Bredow im Rahmen eines URANIA - Experimentalvortrages in Berlin der Öffentlichkeit seine Gedanken über ein Rundfunk für jedermann. Da die technische Qualität der Sprachübertragung noch sehr zu wünschen übrig lies, erkannte die anwesende Presse die Tragweite dieser Vorführung nicht.

Nachdem im Jahr 1920 viele Versuche zur Rundfunkübertragung mit einem Lorenz - Lichtbogensender durchgeführt wurden, erfolgte am 22. Dezember 1920 die erstmalige Übertragung eines Weihnachtskonzertes mit Instrumentalmusik vom Funkerberg aus. Nach dieser Übertragung gingen Zuschriften von privaten Zuhörern aus Luxemburg, Holland, England und den nordischen Staaten ein, nur nicht aus Deutschland, da privates Rundfunkhören bei Strafe verboten war. Es wurden noch bis 1926 Sonntagskonzerte in Königs Wusterhausen produziert und gesendet, die weit über die Landesgrenzen hinaus Zuhörer hatten.

Bis 1926 entstanden hier drei voll ausgerüstete Sendehäuser, der 1925 erbaute 243 Meter Sendeturm und zwölf weitere 100 - 210 m Masten inclusive diverser Antennenanlagen, sodass für weitere Ausbauten der Sendeanlagen auf dem Funkerberg kein Platz mehr war.

Ende des Jahres 1926 wurde deshalb mit dem Aufbau einer neuen Großfunkstation in unmittelbarer Nähe von Königs Wusterhausen, in Zeesen begonnen. Im Dezember 1927 konnte eine der damals modernsten Großrundfunksendeanlagen im Langwellenbereich an diesem Standort in Betrieb genommen werden.
Am 29. August 1929 wurde die erste offizielle deutsche Kurzwellen-Rundfunksendung von Zeesen mit Hilfe eines neu erbauten 8 KW Senders ausgestrahlt.

Bis 1933 war der deutsche Rundfunk politisch fast völlig neutral, was sich mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten völlig veränderte. Die neuen Machthaber hatten bereits vor 1933 die propagandistischen Möglichkeiten des modernen Rundfunks erkannt und forcierten seine Entwicklung.
Um ihre Propaganda effizient unter das Volk zu bringen, sorgten sie für eine starke Verbreitung der sogenannten Volksempfänger, sodass es fast überall möglich wurde, Rundfunk zu hören.
Im Zuge der Entwicklung und im Hinblick auf die bevorstehende Olympiade 1936 wurde vor allem der Sendestandort Zeesen stark erweitert.
Es wurden die Sendehäuser 5 und 6 mit jeweils 4 Kurzwellensender mit einer Sendeleistung von 40- kW errichtet, welche bis 1945 in Betrieb blieben.
Das Haus 7 mit einer Netzersatzanlage mit zwei 2100 Ps starken Dieselmotoren, die Generatoren mit einer Leistung von 1100 kVA bei 6 kV antrieben, wurde noch in den letzten Kriegsjahren errichtet.

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Sendeanlagen auf dem Funkerberg und auf dem Gelände in Zeesen sofort von den sowjetischen Truppen besetzt, da die Anlagen den Zweiten Weltkrieg fast völlig unversehrt überstanden hatten. Große Teile der Sendeanlagen auf dem Funkerberg sowie alle sendetechnischen Anlagen in Zeesen wurden im Rahmen von Reparationsleistungen abgebaut.
Die Sendehäuser in Zeesen wurden gesprengt.

Bereits im Juni 1945 wurde im Haus 1 auf dem Funkerberg ein 20-kW-Kurzwellen-Sender für militärische Zwecke in Betrieb genommen.
Im November 1945 ging ein Kurzwellensender zur Abstrahlung des Programms des "Berliner Rundfunks" in Betrieb. Das Programm wurde ab Dezember 1945 auch noch von einem im Haus 3 aufgebauten Langwellensender abgestrahlt.
Ebenfalls im Haus 3 wurde im August 1946 ein 100-kW-Langwellensender in Betrieb genommen, der noch bis 1992 als sogenannter Wartungssender für den Langwellensender in Zehlendorf bei Oranienburg für das Programm "Deutschlandradio" diente.

Die Geschichte des legendären Senders 21 im Sendehaus 2 darf nicht unberücksichtigt gelassen werden.
Dieser Mittelwellensender mit 100-kW wurde in den Jahren 1932/33 in Berlin-Tegel errichtet. 1948 mußte der Sender in einer sehr kurzfristigen Aktion nach Königs Wusterhausen umgesetzt werden und ging hier am 20. März 1949 wieder in Betrieb.
Dieser aufgrund seiner offenen Bauweise sehr imposante und anschauliche Sender war noch bis 1989 im durchgehenden Sendebetrieb.
Er ist heute in seiner ursprünglichen Form im Haus 2 auf dem Funkerberg zu besichtigen.

Auch für den Sendestandort Königs Wusterhausen brachte die deutsche Einheit einschneidende Veränderungen. Nach und nach wurde der reguläre Sendebetrieb auf dem Funkerberg verringert und im Sommer 1995 endgültig eingestellt.

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